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Sind wir wirklich resilient – oder haben wir nur gelernt, perfekt zu funktionieren?

Wir leben in einer Welt, in der Leistung, Anpassung und ständige Erreichbarkeit oft selbstverständlich geworden sind.

Immer stark sein. Immer weitermachen. Immer funktionieren.

Doch bedeutet das wirklich, resilient zu sein? Oder haben wir manchmal einfach gelernt, unsere eigenen Bedürfnisse zurückzustellen?

Diese Frage beschäftigt mich auch in meiner Arbeit als Business- und Gesundheitscoach.

Kitesurfer über dem glitzernden Meer, Drachen am blauen Himmel und Sonnenstrahlen.

Was hält uns eigentlich gesund?

Der Medizinsoziologe Aaron Antonovsky stellte mit seinem Konzept der Salutogenese eine bemerkenswerte Frage: Nicht nur, was Menschen krank macht, sondern vor allem, was sie trotz Belastungen gesund hält.

Eine zentrale Rolle spielt dabei das sogenannte Kohärenzgefühl. Es beschreibt, inwieweit wir unser Leben als verstehbar, handhabbar und sinnvoll erleben.

Drei Aspekte sind dabei entscheidend:

  • Verstehbarkeit: Ich kann einordnen, was um mich herum geschieht, und erkenne Zusammenhänge.
  • Handhabbarkeit: Ich vertraue darauf, Herausforderungen mit meinen eigenen Fähigkeiten oder mithilfe anderer bewältigen zu können.
  • Sinnhaftigkeit: Ich erkenne einen Sinn in dem, was ich tue, und empfinde es als wertvoll, mich dafür einzusetzen.

Je ausgeprägter dieses Kohärenzgefühl ist, desto besser können Menschen häufig mit Belastungen umgehen. Dabei spielen auch unsere Lebens- und Arbeitsbedingungen eine wichtige Rolle.

Wenn Anpassung zur Gewohnheit wird

Der Psychiater Hans-Joachim Maaz beschäftigt sich mit dem Begriff der Normopathie. Er hinterfragt, was passiert, wenn Menschen sich übermäßig an gesellschaftliche Erwartungen anpassen und dabei den Kontakt zu ihren eigenen Bedürfnissen verlieren.

Auch die Forscherin Brené Brown eröffnet einen interessanten Blickwinkel: Mut bedeutet nicht, immer perfekt und unangreifbar zu sein. Manchmal zeigt sich Stärke gerade darin, Unsicherheit zuzulassen, Grenzen zu benennen oder Unterstützung anzunehmen.

Diese unterschiedlichen Perspektiven regen dazu an, unser Verständnis von Resilienz zu überdenken.

Denn wer immer nur funktioniert, ist nicht automatisch gesund.

Was bedeutet das für Unternehmen?

Resilienz ist nicht allein die Aufgabe des Einzelnen.

Natürlich können wir lernen, unsere Ressourcen zu stärken, bewusster mit Stress umzugehen und unsere Grenzen besser wahrzunehmen.

Doch auch Unternehmen tragen Verantwortung. Eine gesunde Arbeitskultur braucht Vertrauen, klare Kommunikation, Gestaltungsspielräume und einen respektvollen Umgang mit Belastungen.

Es reicht nicht, Menschen widerstandsfähiger zu machen, wenn die Bedingungen, unter denen sie arbeiten, dauerhaft erschöpfend sind.

Mein Fazit

Resilienz bedeutet nicht, immer mehr auszuhalten.

Für mich bedeutet sie, die eigenen Ressourcen zu kennen, Sinn im eigenen Handeln zu erleben, Unterstützung annehmen zu können und den Mut zu entwickeln, Dinge zu verändern.

Vielleicht sollten wir deshalb nicht nur fragen, wie wir noch leistungsfähiger werden können.

Sondern viel öfter:

Was brauchen wir eigentlich, um langfristig gesund, zufrieden und lebendig zu bleiben?

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